Das war eine ganz starke Leistung. Als am vergangenen Wochenende (21.-23. April)  alle ringsportbegeisterten Blicke nach Bruchsal zu den Deutschen Meisterschaften der Aktiven im Freistil- und Frauenbereich gingen, zeigten die teilnehmenden Saarringer ihre ganze Klasse.

Fünf Teilnehmer und eine Teilnehmerin schickte der Saarländische Ringerverband auf die höchste nationale Meisterschaft im Jahr, und alle Athleten kämpften sich in einen Finalkampf vor. „Das freut uns natürlich sehr, dass alle teilnehmenden Sportler so konkurrenzfähig waren“, sagte Landestrainer Ramiz Karmadja zufrieden.
Am konkurrenzfähigsten kristallisierte sich die Leistung des Köllerbacher Neuzugangs Viktor Lyzen heraus. In der Klasse bis 57 kg zeigte der junge Sportler eine bärenstarke Leistung. In der Qualifikation sowie im Viertelfinale siegte Lyzen jeweils technisch überlegen, ehe er im Halbfinale dem Bayer Roman Walter beim 9:3-Sieg ebenfalls kaum eine Chance ließ. Im Finalkampf gegen den Berliner Sven Cammin zeigte das Leichtgewicht dann auch noch Aufholqualitäten, einen frühen 0:4 Rückstand drehte er in einen komfortablen 10:5 Sieg. Damit stand Lyzen am Ende der Wettkämpfe zum ersten Mal ganz oben auf dem Siegerpodest bei den Meisterschaften der Aktiven.
Eine zweite Goldmedaille hätte beinahe auch sein Vereinskollege und frisch gebackener dritter U23-Europameister Gennadij Cudinovic gewonnen. Aufgerückt in die Klasse bis 125 kg zeigte Cudinovic in seinen beiden Vorrundenkämpfen eine gute Leistung. Er besiegte unter anderem Johannes Kessel vom ASV Nendingen im entscheidenden Kampf um den Finaleinzug knapp mit 5:4, wobei er in der letzten Kampfminute vier entscheidende Zähler zu seinen Gunsten erkämpfen konnte. Ein ähnlich enges Duell wurde dann im Finale am Sonntag gegen den Lokalmatadoren aus Nordbaden, Stefan Kehrer, erwartet. Und so kam es auch, die Zuschauer sahen einen der schönsten Kämpfe des Turniers. Bereits in der ersten Runde fielen 21 technische Punkte (10:11), ehe Kehrer gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs einen Angriff Cudinovics clever konterte und den Saarländer zu einer Schulterniederlage zwang. Somit ging Silber an den Sportler des KSV Köllerbach, der damit innerhalb eines Monats zwei Medaillen bei hochkarätigen Turnieren gewinnen konnte.
In der Klasse bis 61 kg standen sich am Sonntag mit Nico Zarcone vom KV Riegelsberg und Valentin Seimetz vom KSV Köllerbach leider zwei Saarländer direkt gegenüber im Kampf um Bronze. Durch das Los in den unteren Strang mussten sich beide dem Topfavoriten Manuel Wolfer aus Hausen-Zell geschlagen geben, sodass sie letztendlich die Bronzemedaille unter sich ausmachen mussten. Diesen Entscheidungskampf konnte der Riegelsberger Zarcone mit 11:0 deutlich für sich entscheiden, sodass Seimetz mit zwei Siegen und zwei Niederlagen den unglücklichen fünften Rang belegte, während Zarcone sich mit zwei Siegen und einer Niederlage Bronze sicherte.
Eine vierte saarländische Medaille ergatterte sich die einzige Dame im Bunde der Delegation, Jessica Lindner vom KV Riegelsberg. Trotz zahlreicher Verletzungen im Vorfeld der Meisterschaften zeigte sich Lindner in körperlich sehr guter Verfassung. Besonders in ihrem ersten und letztendlich entscheidenden Kampf um die Bronzemedaille kam ihr dies zu Gute, als sie einen 0:9-Punkterückstand gegen die Berlinerin Lisa Ersel noch völlig überraschend und spektakulär in einen 11:9-Sieg in letzter Sekunde umwandeln konnte. Im nordischen Turnier der Klasse bis 48 kg gewann Lindner noch zwei weitere Kämpfe technisch überlegen, gegen die beiden Spitzenringerinnen Katharina Baumgartner und Laura Schmitt musste sie sich hingegen deutlich geschlagen geben. Nichtsdestotrotz war die Freude im saarländischen Lager über die gewonnene Bronzemedaille riesig.
Der zweite „Pechvogel“ war neben Valentin Seimetz auch Mathias Schwarz vom ASV Hüttigweiler, der trotz guter Leistung ebenfalls Rang Fünf erreichte. Wie Seimetz erwischte Schwarz ein Hammerlos und musste gegen beide Topfavoriten auf den Titel, Martin Obst und Georg Harth antreten, gegen die er keine Chance hatte. In den beiden Kämpfen zuvor zeigte Schwarz jedoch deutlich, dass auch er einer der Besten der 74-kg-Klasse ist, indem er unter anderem den aktuellen Juniorenmeister Eduard Tatarinov auf beide Schultern drückte.
„Sowohl Mathias als auch Valentin hätten genau wie die anderen eine Medaille verdient gehabt. Vom Leistungspotenzial waren beide mit die Stärksten ihrer Klasse, die unglücklichen Auslosungen haben den Sprung aufs Podest jedoch verhindert“, ärgerte sich auch Landestrainer Thomas Geid über das Lospech.
Allerdings trübte dies nicht über die herausragende Gesamtleistung des saarländischen Freistilteams hinweg. Mit vier gewonnen Medaillen trat die Mannschaft mehr als zufrieden die Heimreise an.

Am kommenden Wochenende (28.-30. April) dürfen sich dann die Greco-Athleten auf nationaler Bühne beweisen. Mit neun Sportlern werden die Saarländer die Reise ins sächsische Plauen antreten und versuchen, die ein oder andere weitere Medaille ins Saarland zu holen.